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Die Geschichte von MOTO Guzzi                                                           

 

DIE GRÜNDER

Am südlichen Ende des Comer Sees liegt die Stadt Lecco.  

Der Reisende, der aus der Ebene um Mailand hierhin

 kommt, ist beeindruckt von der Land- schaftlichen Schönheit der Region. Nach Lecco führt die 

Straße über eine lange Brücke hinein, und im Ort zeugt das Kopfsteinpflaster der Straßen von

 der langen Geschichte der Stadt. Die meisten Reisenden werden das nach links weisende

 Schild kaum wahrnehmen, doch für den interessierten Motorradfreund

 hat der Hinweis auf Mandello del Lario etwas Elektrisierendes. Dieser Ort ist nämlich die

 Heimat von Moto Guzzi. Die Straße dorthin klammert sich an die den 

See umgebenden Berge, verschwindet immer wieder unter Galerien, die vor Steinschlag 

schützen sollen, bis man nach rund zehn Kilometern zur Abfahrt

  Mandello del Lario kommt. Moto Guzzis Geschichte ist bei weitem nicht so romantisch wie 

der Ort, in dem das Unternehmen seine Motorräder produziert. Die Geschichte beginnt am Ende 

des Ersten Weltkriegs mit dem Traum eines jungen Luftwaffen-Soldaten.

 Carlo Guzzi war ursprünglich am Anfang des Krieges zum Heer einberufen

 worden, wechselte jedoch später zur Luftwaffe, wo der erste Samen für eine 

Motorradlegende gelegt werden sollte.

Nehmen Sie sich ruhig ein wenig Zeit, denn die Geschichte von der

ältesten Motorradmarke Europas und zweitältesten der Welt, MOTO GUZZI,

erzählt man nicht "mal eben so". Erleben Sie mit, wie 

die Legende MOTO GUZZI  begann:

Carlo Guzzi, geboren 1888, stammt aus einer Mailänder Familie, die 

in Mandello del Lario  einige Häuser besitzt. Carlo verbringt einen großen

 Teilseiner Jugend in der Werkstatt von Giorgio Ripamonti, einem

Motorenschlosser. Besonders die Zweiräder haben es dem jungen

 Guzzi angetan. Doch deren konstruktive Mängel und die Unzuverlässigkeit der Geräte

lassen ihn schon bald eigene Vorstellungen entwickeln, wie eingutes Motorrad auszusehen

 hat. Wir schreiben das Jahr 1914, der erste Weltkrieg beginnt. Carlo Guzzi wird zum 

Militär einberufen, wo er zu einer Einheit der neu gegründeten Aeronautica , 

der Luftwaffe, kommt. Dort lernt er die beiden Piloten Giovanni Ravelli und 

Giorgio Parodi kennen, deren Flugzeuge Guzzi zu warten hat. Da beide Piloten

 begnadete Rennfahrer sind, ist es für Carlo nichtschwierig, die beiden für seine

 Idee zu begeistern. Gemeinsam beschließen sie, dieses Motorrad nach dem Krieg 

tatsächlich auf die Räder zu stellen. 

Giorgio Parodi bittet seinen Vater um finanzielle Unterstützung. Die Antwort des 

alten Herrn vom3. Januar 1919 ist in die Geschichte von MOTO GUZZI eingegangen: 

"Lieber Giorgio,...du kannst deinen beiden Partnern zur Antwort geben, 

daß ich euch für euren ersten Versuch 1.500 oder 2.000 Lire zur Verfügung stellen werde.

 Aber nur unter der Voraussetzung, daß diese Summe unter keinen Umständen

 überschritten wird. Außerdem behalte ich mir eine Überprüfung eurer Fortschritte vor, 

bevor ich die endgültige Zustimmung zu diesem Projekt gebe.

 Wenn es mir gefällt, könnte ich mir vorstellen, noch wesentlich

 mehr, ohne Limitierung nach oben, zu investieren .."Was der alte Parodi

 offensichtlich zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß – Giovanni Ravelli ist

 mit seinem Flugzeug wenige Tage 

nach Kriegsende, im September 1918, abgestürzt und dabei ums Leben gekommen.

 So machen sich dann nur noch zwei, Carlo Guzzi und Giorgio Parodi an

 die Arbeit. Der erste Prototyp, der Mitte 1920 erschien, erhält den 

Namen "G .P." – Guzzi- Parodi -,

 ist grün lackiert und muß noch ohne die Adlerschwingen

 auf dem Tank auskommen .Da die Produktion dieser 12 PS starken Halbliter-Motor-

Maschine sehr kompliziert war,  mußten die beiden einsehen, daß soviel Aufwand für

 die Serienproduktion viel zu teuer käme. 1921 erschien die "Tipo Normale".

 Dieses Modell ist die erste Maschine, die den Namen MOTO GUZZI und die

 Adlerschwingen – das Zeichen der Aeronautica  Militare, zu Erinnerung an

 Ravelli – trägt. Der "Tipo Normale" bleibt mit geringfügigen Modifikationenbis 

1923 im Programm. Dann wird die erste Serien- Guzzi vom "Tipo Sport" abgelöst,

 die über das leichtere Fahrwerk der Rennmaschine "C2V" und den Motor der "Normale" 

verfügt – allerdings in einer deutlich Leistungsgesteigerten Version.

Eine Weiterentwicklung dieses Modells ist die "Sport 14" mit deutlich 

vergrößerten Kühlrippen am Zylinder. Ab 1931 dann

 läuft die letzte Variante dieser Maschine, die "Sport 15", vom Band. Parallel 

zu den Sport-Modellen bietet MOTO GUZZI ab 1928 die "G .T." an, aus der später die

 "G.T. 16" werden sollte, von der bis 1934 700 Einheiten in den Handel kommen. Mit 

der "G.T." fährt Carlos Bruder Giuseppe bis zum Nordkap, um zu beweisen, 

daß das Fahrwerk auch tatsächlich stabil ist. Dias bringt der Maschine den Beinamen

 "Norge" ein. Ab 1932 beschäftigt sich Guzzi auch mit kleineren Hubräumen. Zunächst

kommt die "P 175" mit rund sieben PS, dann die "P 250", die neun PS leistet

 und es auf eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h brachte. Die erfolgreichste und

 langlebigste Rennmaschine ist die "Bicilindrica", die einen 

500er Zweizylinder -V-Motor mit 120 Gradzylinderwinkel.

1935 hat MOTO GUZZI zum ersten Mal die Senior -TT

 für 500er Maschinen auf der Isle of Man gewonnen. Der Ire Stanley Woods war

 der Fahrer der "Bicilindrica", die den niedrigsten Spritverbrauch

 aller Spitzenmaschinen hatte. Es folgte eine Reihe außergewöhnlicher Siege, 

die MOTO GUZZI endgültig zum Durchbruch verhalfen.

MOTO GUZZI beschäftigt gegen Ende der fünfziger Jahre über 21.000

 Mitarbeiter und ist eines der größten Zweiradwerke

 der Welt. Dazu kommen noch Filialen in Spanien und der Türkei. Carlo Guzzi

 ist inzwischen über 70 Jahre alt, dazu krank und schwach. Er stirbt im 

November 1963. Aus der Gründergeneration bleibt nur noch

 Enrico Parodi, Giorgios Bruder. Das ist die Zeit, in die die Konzeption und 

Konstruktion der ersten V7 – Modell fällt,diese Reihe verschafft der Marke

 neues Ansehen und vor allem größere Exporterfolge.

 In Deutschland werden die dicken Guzzis von Fritz Röth in Hammelbach importiert 

und alle per Einzelabnahme in den Verkehr gebracht.

1973 übernimmt De Tomaso das Werk in Mandello. Mit dem Markenzeichen

 GUZZI wurden eine 350er und eine 250 er produziert, sowie eine 125er in 

Reise- und Geländeausführung. Das Styling der Maschinen gewinnt immer mehr

 an Bedeutung. Die 1975 vorgestellt"254er" besitzt ein höchst ungewöhnliches 

Styling, das so manchen Grundsatz, der sich in Jahrzehnten als gut und richtig 

erwiesen hat, verwirft. So sind zum Beispiel die Instrumente auf dem Tank angebracht. 

Mit der Folge, daß Normalgewachsene Piloten sie während der Fahrt praktisch nicht

 ablesen können. Auch innerhalb des Werkes sind diese Auswüchse äußerst umstritten.

Ab 1977 orientieren sich die Stylisten wieder mehr an klassischen Vorbildern, 

die Verwendung von Zweizylinder- V -Motoren sollen den Erfolg der großen 

 GUZZI auf die kleineren V-Modelle abfärben lassen. Gegen Ende der achtziger Jahre

 findet MOTO GUZZI seine Identität wieder. Motorräder wie die "Mille GT"

 oder die "1000S" verbinden moderne Technik – die neuen, eckigen Zylinder zum

 Beispiel – mit vertrauten, klassischen Styling-Elementen. Die Zeit der Depression ist

 vorüber. Der Adler breitet wieder seine Schwingen aus und fliegt allen anderen davon. 

                                                                     

                  Forza GUZZI.